Covid-19-Krise und Chaosdynamik

Die Covid-19-Krise erscheint als ein Wirtschaftsförderungs- und Umverteilungsprojekt gigantischen Ausmasses und gleichzeitig ist sie ein hochgradig irrationaler Prozess, der endlich als das gesehen werden muss. Blaise Pascal hatte recht: „Sorglos eilen wir in den Abgrund, nachdem wir etwas vor uns aufgebaut haben, was uns hindert, ihn zu sehen“, nur dass wir heute nicht mehr sorglos aber solidarisch diesen Weg gehen.


Was wir vor uns aufgebaut haben, ist die Lüge des unendlichen Wachstums und der Abgrund nichts weiter als unsere eigene Vernichtung. Wahr ist, dass mit Hilfe von Covid-19 versucht wird, der Konfrontation mit dem Unausweichlichen weiterhin aus dem Weg zu gehen, in der Hoffnung, dass die Quadratur des Kreises doch noch gelingt. Es soll die Welt mithilfe eines durch die Wissenschaft abgesegneten Heilsplans, dem zu seiner Legitimation ein naturfreundliches Etikett anhängt, gerettet werden. Es ist ein ausgeklügeltes Rechtfertigungskonstrukt. Diesen verzweifelten Versuch wollen wir also noch wagen, unter Einschränkung und längerfristig vielleicht sogar unter Aufgabe verschiedener Grundrechte, die allesamt Freiheiten sind, wie Meinungs-, Versammlungs-, Vereinigungs-, Wirtschafts- und Reisefreiheit. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und dann könnte es endgültig Schluss sein – mit dem Wachstum und auch mit der Lebensgrundlage.

 

Deshalb sollte der Glaube, auf den sich die verzweifelte Hoffnung stützt, jetzt unbedingt mutig und klar analysiert werden. Dazu eignet sich die aktuelle Covid-19-Krise sehr gut.

 

Das Phänomen Covid-19 ist nicht etwas Neues sondern etwas Altes in neuem Kleid. Covid-19 ist das berühmte Tröpfchen, welches am Ende eines allzu langen linearen Prozesses das Fass zum Über­laufen bringt. Es ist jener „chaotische oder fremde Attraktor“, der gemäss Viktor Laszlo, Professor für Philosophie, Systemwissenschaft und Zukunftsforschung, „eine menschliche Gesellschaft welche die Grenzen ihrer Stabilität erreicht habe, in einen überempfindlichen Zustand oder chaotischen Zustand treibe, sodass sie auf subtile Veränderungen in den Werten, Glaubenssätzen, Weltanschauungen und Lebenszielen reagiere“. Der mit Covid-19 eingeleitete medizinische Paradigmenwechsel ist dieser fremde Attraktor, der seinerseits Hyperkapitalismus in Reinkultur ist, weil er im Begriff ist, nach den Pflanzen und den Tieren jetzt den Menschen auf zynische Art und Weise dem „freien Markt“ der Grosskonzerne auszuliefern und ihn zum Produktionsfaktor insbesondere des pharma­zeutischen Industriekomplexes zu degradieren. Laut Worldometer  (www.worldometers.info) generiert das Gesundheitswesen mit sehr grossem Abstand am meisten Mittel, vor der Bildungs- und der Rüstungsindustrie. Kein Wunder, dass diese Ressource, von der Politik stillschweigend gutgeheissen, als wirtschaftliches Zugpferd eingesetzt wird, indem Gesundheitssicherheit mit Corona zum neuen Staatsziel wird.

 

„Wenn ein bedeutender Trend an seine natürlichen oder menschlich sozialen Grenzen stosse, komme die Chaosdynamik der Evolution komplexer Systeme zum Tragen.“, führt Prof. Laszlo aus. „Es ent­stehe eine Bewegung in der evolutionären Dynamik der Gesellschaft am Scheideweg, Makroshift genannt. An diesem Scheideweg, einer Bifurkation, spalte sich der evolutionäre Verlauf eines Systems in zwei Richtungen auf: es entwickle sich anders oder gar nicht mehr. Der Ausgang des Chaossprungs einer Bifurkation sei von vornherein nicht entschieden und die Selektion aus einer Reihe möglicher Alternativen letztlich bestimmt durch das Wesen der Einflussnahme aller Akteure. Es bestehe die grenzenlose Freiheit, über die Zukunft des Systems zu entscheiden.“ Fatalerweise wird aber gerade jetzt die Freiheit im Namen einer mehr als fragwürdigen Nächstenliebe massiv eingeschränkt und Kritik am eingeschlagenen Kurs wo immer möglich unterdrückt.

 

Die Covid-19-Krise zeigt damit in aller Deutlichkeit, dass die – globale – Gesellschaft beschlossen hat, die lineare Bewegung in den Abgrund weiterzugehen.

 

An der Weiterführung des Bestehenden sind verständlicherweise auch viele der über mehr Macht, Einfluss und Geld Verfügenden speziell interessiert. Trotzdem kann man kaum glauben, dass das Plündern auf Kosten der künftigen Generationen fortgesetzt wird. Nach den natürlichen Allmenden werden dank Covid-19 jetzt die Staatskassen zum grossen Selbstbedienungsladen. Die Staaten nehmen weitere Schulden auf, weil sie Wachstum generieren müssen, aufgrund der bereits bestehenden Verschuldung teilweise aber nicht mehr können. Zudem stehen sie aufgrund des aktuellen Aktienhypes mit der Privat­wirtschaft in Konkurrenz, weshalb diese Zahlen jetzt, gemäss Oswald Grübel, „richtig astronomisch“ werden. Das ist die Tragödie des gemeinsamen Guts der Bürgerinnen und Bürger. Das was an gemein­samem Vermögen noch da ist, verschiebt sich aktuell grad nach und nach ins Private. Die Solidarität hat offensichtlich Grenzen. Der Allgemeinheit werden die Schuldenberge bleiben, die nach heutigem Glauben noch Guthaben darstellen. Philipp Hildebrand, der sich für den Chefposten der OECD bewirbt, benennt die Probleme. Jedoch fragt man sich, wie er gleichzeitig „das Wachstumspotential der Staaten erhöhen, die stark gestiegene Ungleichheit in der Wirtschaft und Gesellschaft korrigieren und dabei auch noch den Weg Richtung Netto-null-Emissionen“ gehen will? Der Glaube an die Quadratur des Kreises scheint ungebrochen oder es drohen wahrhaft unmenschliche Zustände.

 

Die aktuelle prekäre Weltenlage gründet auf einer ganz speziellen Haltung. Es wird lieber an das Unmögliche geglaubt, als auf dem Boden der Tatsachen Fuss gefasst.

 

Über gesellschaftliche Widersprüche sinnierend sagte Erich Fromm dazu, „es liege keineswegs an unserem Mangel an kritischer Fähigkeit, wir bemerkten Irrationalität und Widersprüche sehr deutlich bei unseren Gegnern – wir weigerten uns nur, die gleichen Massstäbe auch bei uns selbst anzulegen. Zudem sei man, wenn man derart Tatsachen aus seinem Bewusstsein verdränge, notwendigerweise gezwungen, auch viele Fiktionen zu akzeptieren. Die Lücken, die dadurch entstünden, dass wir uns weigerten, viele Dinge in unserer Umgebung wahrzunehmen, müssten ausgefüllt werden, damit wir ein zusammenhängendes Bild bekämen.“ Dazu passt auch die Feststellung der Diplompsychologin Susanna Niehus, Professorin an der Hochschule Luzern die sagt, „wir lernten rasch, Täuschungs­strategien erfolgreich einzusetzen, unsere Möglichkeiten, den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu erkennen, stagnierten hingegen auf einem relativ niedrigen Niveau.“

 

Wenn wir auf den Boden der Tatsachen finden wollen, von wo aus sich Chancen und Gefahren ver­lässlicher einschätzen lassen, müssen wir anerkennen, dass die übermächtig gewordene Wissen­schaft der verlängerte Arm unseres kollektiven Zweifels ist, weil zu viele ihre Ohnmachtsgefühle an andere überantworten anstatt sie selbst zu verantworten. Der in Buchform vorliegende äusserst lesenswerte Aufruf der beiden Hochschuldozenten Prof. Konstantin Beck und Dr. Werner Widmer „CORONA IN DER SCHWEIZ – Plädoyer für eine evidenzbasierte Pandemie-Politik“ (www.corona-in-der-schweiz.ch), könnte als solider Ausgangspunkt für eine ehrlichere Sicht der Dinge dienen.

 

Es werden Probleme weder durch Selbstüberschätzung gelöst, noch indem man einen Wasch­zwang entwickelt, das Gesicht hinter einer Maske verbirgt oder sich selbst kasteiend den Kontakt mit anderen versagen lässt und dabei unglücklich ist. Wenn so weitergemogelt wird wie bisher, liegt es im Bereich des Möglichen, dass der Mensch sich aller guten Absicht zum Trotz selbst abschafft, weil er, wie Adam Smith über den wirtschaftenden Menschen gesagt habe, „von einer unsichtbaren Hand gelenkt wird, um einem Zweck zu dienen, der in keiner Weise von ihm beabsichtigt war“.

 

Was auch immer der richtige Weg für die Zukunft ist, er muss kontrovers diskutiert werden. Das ist der erste Schritt hin zur Lösung des Covid-19-Problems wie auch weiterer Probleme. Sie scheinen eine gemeinsame Ursache zu haben.


Das Risikoprofil Schweiz von 1999 führte unter 34 Szenarien, welche eine existentielle Bedrohung für die Schweiz darstellen und innert 20 Jahren eintreten könnten, eine Finanzkrise mit einem Schaden von 50 Milliarden Franken auf und eine Epidemie mit 30‘000 Toten. Von 30‘000 Toten sind wir meilenweit entfernt, von einer Finanzkrise dieser Grössenordnung nicht.